Kommunikation und Kooperation im Kinderschutz

Teilmodul eines Curriculums zur Kinderschutzfachkraft


Diese Fortbildungsmodul richtet sich an angehende Kinderschutzfachkräfte. Es vertieft den systemischen Kontext einer Risikoabschätzung entsprechend §8a SGBVIII oder §4 KKG und die dabei notwendigen Kommunikationskompetenzen.

 

Bei Anzeichen von Kindeswohlgefährdung wird die Kinderschutzfachkraft (KSFK) wegen einer Risikoeinschätzung angefragt. Dabei kann die KSFK die Rolle eines neutralen Experten einnehmen, der mit distanziertem Blick auf die Fakten das Risiko definiert - analog einer medizinischen Diagnose. Sie kann sich aber auch als Fallbegleiter verstehen, der prozesshaft das Geschehen begleitet, ähnlich einem Supervisor oder Fallmanager. Dazwischen gibt es viele weitere mögliche Arbeitsmodelle, mit all ihren Chancen, Herausforderungen und dem jeweils verbundenen Aufwand an Ressourcen. 

 

Neben dem expliziten Auftrag der Risikoeinschätzung werden i.d.R. auch verdeckte Erwartungen an die KSFK gerichtet, wie etwa: 'Trage du die Verantwortung!', 'Sag uns, wer im Team bezüglich des Falls Recht hat!', 'Hilf uns, den Druck auszuhalten!' etc. Unerkannt können verdeckte Erwartungen zu Auftrags- und Zielkonflikten führen, die negativen Folgen für die Fallarbeit und letztlich das betroffene Kind nach sich ziehen. Die Veranstaltung bereitet angehende Kinderschutzfachkräfte auf die notwendige Auftragsklärung vor und gibt Instrumente in die Hand, sich professionell zu positionieren.

Verstehen Kinderschutzfachkräfte Ihre Arbeit über die Gefährdungsabschätzung hinaus als Fallbegleitung, können sie die anfragenden Einrichtungen in vielfältiger Weise unterstützen. Besondere Bedeutung hat dabei das Emotionsmanagement: Fälle mutmaßlicher Kindeswohlgefährdung sind immer von Unsicherheit und starken Emotionen begleitet (siehe die Unterseite zum §8a). Die Kinderschutzfachkraft sollte deshalb in der Lage sein, der anfragenden Institution Sicherheit auf einer realistischen Basis zu vermitteln, die zu Klarheit und reflektierter Entschlossenheit im Vorgehen befähigt. Dazu gehören der Umgang mit mehrdeutigen Gefährdungshinweisen, Klärung der Verantwortlichkeiten, Umgang mit den eigenen Emotionen und den Dynamiken in Teams und Elternschaft. Das Seminar stellt dazu sehr nützliche Denk- und Handlungswerkzeuge vor. 

 

Weiterhin brauchen anfragende Institutionen oft Unterstützung beim Einbezug der Eltern in die Gefährdungsabwendung, wie ihn der § 8a SGB VIII fordert: 'Wann und Wie sollen Eltern angesprochen werden? Was tun, wenn es zu Eskalationen kommt?  Wie kann man verhindern, dass dadurch die Kinder noch mehr Gefährdungen ausgesetzt sind?' sind häufig gestellte Fragen an die Kinderschutzfachkraft. Auch hier vermittelt die Veranstaltung hilfreiche und wirkungsvolle Tools, wie angehende Kinderschutzfachkräfte diese sicher und fachgerecht beantworten können.